Erfahrungsbericht eines Jugendlichen in einer individualpädagogischen Maßnahme in Portugal

Kurz vor seinem 12. Geburtstag steckte Manuel* in einer existenziellen Krise. Seine endgültige Einweisung in die stationäre Psychiatrie stand bevor. Hinter ihm lagen Jahre der Überforderung in Familie und Schule. Nach schweren Konflikten folgten Schulverweise, Heimaufenthalte, mehrere psychiatrische Einweisungen, schließlich acht Monate Leben auf der Straße. Die Klicke am Bahnhof wurde zu seinem einzigen Halt.

In dieser Lage entschloss er sich für die Alternative einer individualpädagogischen Hilfe in Portugal. Anfangs nervte jedoch alles: Die fremde Sprache, das unbekannte Land und die Einsamkeit des kleinen Dorfes. Gemeinsam mit den Betreuern lebte man in unmittelbarem Kontakt mit Natur, mit weiten Wegen zum Einkaufen und durch das Fehlen von schnellem Konsum und Vergnügungen zurückgeworfen auf sich selbst.
„Am Anfang wollte ich nur weg.“

Erst nach beharrlichen kontinuierlichen Beziehungsangeboten und in familienanalogen Projekten konnte Manuel seine Widerstände und persönlichen Angriffe endlich aufgeben. Die Bereitschaft der Betreuer, diese Zumutung auszuhalten und eine fremde sprachliche und kulturelle Umgebung förderten das. Fern von Deutschland begegnete Manuel Betreuern, die wissen, dass über einen langen Zeitraum Menschen und Angebote von den Jugendlichen geprüft werden, um befürchteten Enttäuschungen aus dem Weg zu gehen. Manuel erlebt auch, wie wichtig es Betreuern ist, dass er einen Schulabschluss schafft. Und falls dies nicht klappt, stehen berufsvorbereitende Arbeitsangebote zur Verfügung.

*Name geändert.