Erfahrungsbericht eines Jugendlichen im Sozialraum
„Als ein Mann und eine Frau vom Jugendamt zu uns nach Hause kamen, wusste ich noch nicht, dass sich mein Leben verändern würde."
Mein damals achtjähriger Bruder war zu diesem Zeitpunkt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln stationär untergebracht, um herauszufinden, welche Probleme er hatte.
Zwei Betreuer der Stiftung Leuchtfeuer sollten uns bei unseren Problemen helfen. Weil mein Vater nicht so gut deutsch sprechen konnte, wünschte er sich eine türkisch sprechende Fachkraft.
Mit den Helfern haben wir etwa drei Monate zusammengearbeitet, bis sie die psychische Belastung meiner Mutter entdeckten. Wir hatten regelmäßige Besprechungen mit den Betreuern der Stiftung Leuchtfeuer und dem Arzt meiner Mutter, in dem sie uns den Grund ihrer psychischen Belastungen erklärten. Meine Mutter musste ungefähr nach einem Monat aufgrund ihrer psychischen Belastungen stationär in der Uniklinik Köln untergebracht werden. Das war für mich noch härter, als das, was mit meinem Bruder los war, der inzwischen wieder zu Hause war.
Kurz danach fing mein Bruder an, wieder Ärger zu machen. Erst fing er an zu schlagen, und dann endete ein Konflikt bei der Polizei. Er musste wegen seinem Verhalten / Krankheit die Familie verlassen. Das war einfach zu viel. In mir tobte eine verzweifelte aber ganz gewaltige Mischung aus Hass, Mitleid, Trauer, Ärgernis, Enttäuschung, Aggressivität. In so einem Zustand sollte ich weiterhin an die Schule denken, was für mich äußerst schwierig war. Eines Tages hatte ich meine Emotionen nicht mehr im Griff und wurde gegenüber einem Klassenkameraden handgreiflich. Ich wusste, dass ich den "Reset-Knopf" drücken musste, aber er war nicht da.
Mein Betreuer organisierte ein Gespräch zwischen meinem Klassenlehrer, meinem Vater und mir. So wurden mir meine Verhaltensweisen bewusst. Mein Lehrer zeigte Verständnis für meine Situation, und ich war richtig erleichtert. Doch die eiserne und loyale Bestrafungsform änderte sich nicht im geringsten. Wann immer ich was Falsches gemacht hatte, wurde ich vom Lehrer nach Hause geschickt. Als erstes dachte ich, das sei, um mich quälen. Nicht zur Schule gehen zu dürfen, war für mich richtig hart und schwer. Doch dann merkte ich, dass es nur für mein Bestes war, damit ich mich änderte. Das andere Problem war, dass wir kein richtiges Familienleben mehr hatten. Ich fühlte mich einsam und wie ein Waisenkind.
Doch heute ist soweit alles in Ordnung für mich. Die Schule ist in Ordnung und mit dem Problem meiner Familie habe ich schon längst gelernt umzugehen.
"Ich weiß jetzt, dass vieles sich zum Besseren entwickelt hat, und dank der Stiftung Leuchtfeuer haben wir es durch die Zeiten geschafft. Es ist erleichternd, dass ich weiß, dass ich immer einen Ansprechpartner habe. Denn ohne die Hilfe vom Jugendamt wären wir gar keine Familie mehr. Es ist gut zu wissen, dass man immer Hilfe bekommen kann.“- C.S.










